Solange ist es nun her, seit ich meinen Online Shop geschlossen habe. Ein ganzes halbes Jahr. In dieser Zeit habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie es weiter gehen soll, aber nicht nur. Der Zeitpunkt für eine kleine Standortbestimmung ist gekommen.

In diesem halben Jahr habe ich vieles von dem umgesetzt, was ich mir vorgenommen habe. Ich habe Ramiro’s und Amelia’s Zimmer umgestaltet, ich habe im Haus vieles aufgeräumt, optimiert und ausgemistet. So zum Beispiel meine Rezeptsammlung, den Keller und mein Atelier. Mein Garten ist so schön wie noch nie, das Holzdeck strahlt und die Blumen blühen. Ich habe mir ein neues Hobby zugelegt und grosse Freude daran, was man mit Handlettering so alles anstellen kann. Ich habe die Zeit genutzt, Bücher zu lesen, zu denen ich nie kam.

Vor allem aber habe ich mehr Zeit für meine Kinder, kann einen Tag einfach mal nehmen wie er kommt. Ich habe zwischendurch Zeit für ein Schwätzchen mit der Nachbarin und kann ohne Probleme mal meine Tagespläne über den Haufen schmeissen. Ich komme auch wieder zu mehr Schlaf, obwohl ich noch immer eher früh in den Tag starte. Aber nicht mit Nähen und den Gedanken an Kundenmails, sondern mit etwas Zeit für mich.

Ja, ich geniesse mein neues Leben. Meisten jedenfalls! Denn es ist so, dass die Tage genauso rasant vergehen wie davor. So frage ich mich manchmal, wie ich neben allem auch noch so viel nähen konnte! Bin ich träge geworden? Gemütlicher? Oder mache ich einfach anderes? Schwer zu sagen. Es macht aber die Entscheidung, wie es weiter gehen soll, nicht einfacher. Sollte ich mit bütsche weitermachen, wäre da überhaupt Platz dafür?

So sehr ich meine Situation geniesse, es fehlt mir auch etwas. Zu arbeiten, fertige Produkte in den Händen zu halten und damit etwas Geld zu verdienen hat mir auch immer eine gewisse Befriedigung gegeben. Da ist jetzt ein Loch, das wieder gefüllt werden möchte. Doch ich will es nicht aus der Not heraus füllen. Vielmehr will ich mir ganz sicher sein, was ich tun möchte und was ich nicht tun möchte. Will mir die Türen offen lassen, mit offenen Händen empfangen, wenn sich was Neues am Horizont zeigt. Dies auszuhalten und die Antwort zu finden ist gar nicht so einfach. Aber ich weiss, es braucht noch Zeit. Nicht umsonst habe ich mir ein Jahr dafür Zeit gegeben. Es ist erst ein halbes um. Doch manchmal werde ich ungeduldig und will es einfach wissen.

Zudem ist es nach wie vor so, dass mich die Kinder sehr brauchen. Es ist schön, für ihre Bedürfnisse Zeit zu haben, ihnen Wünsche zu erfüllen und sie nicht ständig zu hetzen, eben die Tage so zu nehmen wie sie kommen. Zudem ist es Sommer, meine allerliebste Jahreszeit. Diesen Sommer will ich so richtig geniessen. Ein ganzes halbes Jahr ist nun vorüber, ich bin nach wie vor gespannt, was die Zukunft bringt, die zweite Hälfte von ‚meinem‘ Jahr.

Ich hoffe, du bist auch im nächsten halben Jahr mit dabei und begleitest mich auf meinem Weg.

 

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