Ich stehe in der Küche, bereite den Zvieri vor. Dabei höre ich mit einem Ohr lautes Schreien, gelegentlich ein Jubeln, zwischendurch ein Pfiff. Goal! Foul! Das gilt nicht! Hopp Schwiiz! Pfiff! Hands! Es ist 2:1! Was ich da höre ist aber nicht ein WM-Match, sondern eine Horde Jungs, die auf meinen wenigen Quadratmetern Rasen Fussball spielen.

Ich schaue beim Apfel schneiden aus dem Fenster und muss lächeln, sie sind ganz bei der Sache. Vom Spiel selber haben sie noch wenig Ahnung, was sie wissen, haben sie bei anderen oder bei einem Spiel im Fernseher aufgeschnappt. Doch was sie wissen, setzen sie wortreich um.

Selten haben so viele Kinder auf einmal in meinem kleinen Garten gespielt und ich glaube, noch nie ging es so friedlich zu und her. Es gibt ein Goal, einen Ball und ein Ziel. Es spielen die grösseren Kinder mit den Kleinen. Sie definieren selber, wer mit wem spielt. Manchmal dauert es eine Weile, bis alle zufrieden sind, doch sie finden gemeinsam einen Weg. Ganz ohne mein Zutun. Zwischendurch ist es laut, laut vor Eifer und Freude.

Auch meine Tochter ist mit ihren zwei Jahren voll dabei. Sie sitzt neben dem Feld und schaut gespannt zu. Zwischendurch feuert sie die Fussballer an: Opp Wiitz, opp Wiitz!!

Ich stelle den Zvieri aufs Tablett und sinne darüber nach, was die Weltmeisterschaft mit unseren Kindern macht. Das Fussballfieber hat sie definitiv ausgelöst, nicht nur spricht mein Sohn täglich von Ronaldo und Co., es wird auch aktiv umgesetzt, das gefällt mir. Es stiftet Frieden und schweisst zusammen. Schön wäre, wenn das nicht nur mit den Kindern im Quartier so wäre, sondern auch mit den Nationen geschehen würde, die an der WM gegeneinander spielen. Wenigsten ein bisschen, wenigsten etwas länger als das Turnier dauert. Auch für die Kinder draussen wünsche ich mir, dass sie noch lange zusammen Fussball spielen, nicht nur bis zum Schlusspfiff beim Final in Russland.

Nun bringe ich endlich den Zvieri nach draussen. Es gibt Zvieri, rufe ich meinem Sohn zu! Er ruft: Halbzeit, wir machen Pause! Die Kinder essen und ich betrachte währenddessen meinen Garten. Schon wieder sind da und dort Äste von meiner Hecke abgebrochen, der Rasen ist durch das viele Spielen flach gedrückt und bereits braun. Ein paar Blumen sind abgeknickt. Aber das alles wächst nach. Ein Pfiff, es geht weiter. Ich lächle noch immer vor mich hin. Ja, dass Fussballfieber hat die Kids voll im Griff.

 

 

Kommentar schreiben