Ich weiss, man lauscht nicht den Gesprächen anderer Leute. Aber diese beiden Frauen standen in der Garderobe nur einen halben Meter von mir entfernt und sprachen sehr laut, es war unmöglich NICHT zu lauschen! Aber keine Angst, sie haben keine Vertraulichkeiten ausgetauscht. Es ging um ein Thema, welches mich einfach brennend interessiert. Es ging um den Inhalt ihres Kleiderschranks.

Jaja, der liebe Kleiderschrank

Der Kleiderschrank, welcher aus allen Nähten platzt, zu viele Hosen, zu viele T-Shirts birgt, der einem im richtigen Moment aber doch nichts anzubieten hat und der einem die Lust am Ankleiden und gleichzeitig die Lust auf Shopping verdirbt. Denn, da waren sich die beiden Frauen einig, man will zwischendurch gerne mal was anderes anziehen, als immer nur Jeans und Shirt, aber für schöne Neuanschaffungen hat es keinen Platz. Die Lösung? Ausmisten! Auch darüber haben sie gesprochen, die Idee aber schnell wieder verworfen. Hmm…

Gerne hätte ich mich ins Gespräch eingebracht und ihnen ein paar Tipps dazu gegeben, aber dann hätten sie mich beim Lauschen ertappt. Mir ging es nämlich bis vor etwas mehr als einem Jahr sehr ähnlich. Mein Kleiderschrank zum Bersten voll, aber nichts zum Anziehen. Und vor allem graute mir jedes Mal vor dem Öffnen des Kleiderschranks. Irgendwie wirkte es darin immer so gestopft und unordentlich, obwohl ich regelmässig (also mehr oder weniger) aufgeräumt und sogar ausgemistet habe. Zwar habe ich noch immer zu wenig Platz, der Schrank ist eng und eher unpraktisch. Ich würde ihn heute nicht mehr so kaufen, aber leider ist es eine Art Einbauschrank, also muss ich mit ihm auskommen und das Beste mit ihm anstellen. Ach ja, und viele Kleider habe ich auch, irgendwie sammelt sich das Zeug einfach.

Magisches Ausmisten

Vor knapp zwei Jahren erhielt ich von einer Freundin den Tipp, doch ein Buch von Marie Kondo zum Thema Aufräumen zu lesen, weil sie etwas einen anderen Ansatz hat, als viele andere Aufräumbücher. Sie habe damit 10 Säcke voll Kleider weggegeben. Ich habe mich für das Buch ‚Magic Cleaning‘ entschieden, bei dem nichts Magic ist, denn man muss die ganze Arbeit dann doch selber machen. Doch das Resultat hat echt was Magisches.

Marie Kondo’s Ansatz ist, dass man nur behält, was einen glücklich macht. Man hält einen Gegenstand oder ein Kleidungsstück in der Hand und wartet, bis sich da in einem ein Gefühl regt. Kann eine Weile dauern. Aber wenn etwas nicht glücklich macht, dann weg damit. Ich fand das dann etwas zu radikal, denn es gibt in diesem Haus leider Sachen, die machen mich überhaupt nicht glücklich (Windeln, Putzzeug, einige Spielsachen, die gelben Vorratsdosendeckel,…), aber ich kann sie deswegen jetzt nicht einfach weggeben oder ersetzen. Aber bei etwas Persönlichem (z.B. Deko, div. Geschenken,…) mal zu erspüren, was es mit einem macht, ist gar nicht so schlecht.

Alles muss raus

Aber zurück zum Kleiderschrank. Hier empfiehlt Marie Kondo zu Beginn, alles, wirklich auch die letzte Unterhose, aus dem Schrank zu nehmen. Zudem werden auch weitere Kleider z.B. in Kartons, in anderen Schränken, einfach alle deine Kleider gesammelt und auf einen Haufen gelegt. Ich habe das nach dem Lesen des Buches gemacht, es war ein kleiner Schock! Soo viele Kleider? Echt jetzt?

Ja. Nein. Vielleicht.

Danach ging es ans Ausmisten. Ja, ich habe wirklich JEDES Kleidungsstück in die Finger genommen. Leider konnte da nur bei einigen wenigen spüren, ob sie mich glücklich machen oder nicht. Vermutlich bin ich da dann doch zu pragmatisch veranlagt. Hingegen war es anders, wenn ich die Kleider anzog. Nach zwei Schwangerschaften, mal mehr hier, mal mehr da, mal wieder weniger hier und weniger da, gab es doch einiges, was mir einfach nicht mehr passte, nicht mehr sass. Das kam dann definitiv weg. Aber auch viele andere Sachen. Folgendes habe ich ausgemistet:

  • Kleider, die mich schon beim Anschauen nicht mehr glücklich machten (Aufdruck, Erinnerung,…)
  • Kleider, die zu gross waren. (Tipp: Nur behalten, wenn man noch mit einer Schwangerschaft rechnet, dann aber nicht im Kleiderschrank sondern separat in einer Box).
  • Kleider, die zu klein waren (Tipp: Aufbehalten für wenn sie mal wieder passen? Dann aber nicht im Kleiderschrank, sondern in einer separaten Box. Noch besser: Weg damit, wenn du abnimmst, möchtest du dir vielleicht lieber etwas Neues kaufen).
  • Kleider, die unbequem waren, z.B. weil sie aus Synthetik waren, irgendwo piksten, der Schnitt nicht stimmte,…
  • Kleider mit Loch oder Flecken, 2-3 Sachen habe ich zum Streichen behalten, der Rest kam weg.
  • Kleider, die nicht mehr ICH waren, also nicht mein Stil, nicht meine Farben oder einfach echt aus der Mode.
  • Kleider, die ich mehrfach hatte (wie viele uni schwarze T-Shirts braucht man wirklich?).

Ja, dazu musst ich sehr viele Kleider anziehen, bei vielen war der Fall aber schnell klar. Andere behielt ich eine Weile an, lief damit herum, schaute in verschiedene Spiegel. Bei einigen war ich wirklich unsicher. Diese habe ich auf einen Stapel gelegt (nicht wieder in den Schrank) und in den folgenden Tagen im Alltag getragen. So merkte ich schnell, ob ich sie noch haben wollte oder nicht. Entweder kamen sie nach dem Waschen gleich weg oder wanderten zurück in den Schrank.

Was tun mit all den Kleidern?

Ich habe einige der Kleider verschenkt, ein paar fast neue Sachen auf Facebook verkauft, der Rest kam in die Kleidersammlung oder gleich in den Abfall. Ein paar Plastiksäcke habe ich zu H&M gebracht, da bekommt man pro Tüte einen 5fr. Gutschein, den man dann wieder bei H&M einlösen kann. Man kann pro Besuch einfach nur zwei Säcke bringen, oder pro Kasse, wenn man es clever anstellt!

Wieder einräumen

Gleiche Kleiderbügel schaffen ein einheitliches Bild

Danach gilt es, alles wieder im Schrank zu verstauen und zwar so, dass man richtig Freude hat, etwas herauszunehmen. Auch hier habe ich einige Tipps von Marie Kondo umgesetzt. Einerseits habe ich so viel als möglich aufgehängt, Kleider, Blusen, Röcke, Jäggli und Hosen. Möglichst auf platzsparenden Kleiderbügeln und möglichst auf die gleichen Bügel (Stil, Farbe). Das gibt ein einheitliches Bild und macht den Schrank ruhiger. Ist natürlich ein Kostenpunkt und kommt darauf an, wie wichtig einem das ist.

Leider besteht mein Schrank mehrheitlich aus klassischen, schmalen Regalböden. Da kann man so toll Stapel mit Jeans und Shirts draufpacken. Nur braucht man dann meistens die obersten 3 Stück, und nimmt man mal eines von ganz unten, wird der Stapel schief und schiefer. Kondo empfiehlt, wenn man keine Schulbladen hat, Boxen in die Regale zu legen, in die man die Kleidungsstücke klein gefaltet hineinlegt, hintereinander. So kann man die Box herausziehen, hat alles auf einen Blick (vielleicht nach Farbe geordnet) und kann sich wirklich für das entscheiden, was man Lust hat. Ich habe das für alle meine T-Shirts und Pullis umgesetzt und bin sehr happy. Zwar gibt es beim Versorgen etwas mehr Arbeit, aber ich wechsle definitiv mehr ab und der Schrank sieht ordentlich aus. Das Finden der Boxen war echt eine Herausforderung, ich wünschte, sie wären noch etwas länger. Meine sind von IKEA (klein) und von Möbel Pfister (gross). Leider passen nicht zwei grosse nebeneinander.

Auch mit kurzen Hosen, Leggins, Trainerhosen und Jupes mache ich das so. Dafür habe ich in den Schubladen Boxen von IKEA zur Unterteilung. Hier ein paar Bilder von meinem Kleiderschrank:

Hosen auf Kleiderbügeln
Schublade mit Jupes und kurzen Hosen

 

 

 

 

 

T-Shirts gefaltet uni

 

 

 

 

 

T-Shirts gefaltet gemustert
Regalböden mit Kisten

 

 

 

 

 

 

 

Ein Jahr danach

Nach dem ich das Gespräch in der Garderobe belauscht habe, nahm es mich Wunder: Ist mein Kleiderschrank up to date? Zugegeben, es sind im letzten Jahr einige neue Kleider dazugekommen. Mein Körper hat sich wieder verändert und einige Hosen sassen wirklich so schlecht, dass sogar mein Mann gesagt hat, ich solle doch mal neue kaufen. Es mussten also noch ein paar Hosen raus. Auch bei einigen Winterpullis bin ich nicht sicher, ob ich die noch tragen werde, habe sie schon eine Ewigkeit, aber da warte ich den Winter ab, die muss ich mal richtig tragen. Dann waren da noch ein paar Trägershirts, nicht in Boxen und daher mehrheitlich im Schlafmodus. Beim Durchsehen und in die Boxen Legen musste ich sagen: So schade, die sind ja perfekt für das schöne Wetter im Sommer!

Jetzt ist mein Schrank gefühlt wieder up to date. Zwar ist es nach wie vor eng, ich habe halt auch Jahreszeiten überschneidend alles drin (ausser ganz dicke Wollpulover). Das wäre noch eine Variante, den Schrank ‚leichter‘ zu haben. Aber Hand aufs Herz: Dafür bin ich zu faul! Und lange Hosen, Jäckchen, T-Shirts und Jupes brauche ich einfach in allen Jahreszeiten.

Und dein Kleiderschrank?

Lust, auch mal deinen Kleiderschrank up zu daten? Ich weiss, im Sommer hat man wenig Lust dazu, doch vielleicht packt es dich ja an einem Regentag mal. Ich finde es wichtig, dass man nach seinen eigenen Regeln ausmistet. Vielleicht helfen dir meine Erfahrungen, vielleicht liest du ein Buch von Marie Kondo, vielleicht schnupperst du mal auf Pinterest, wie es andere Leute so machen. Es gibt viele Tipps, finde deinen Weg zum aufgeräumten Kleiderschrank, in dem wirklich nur ist, was du wirklich anziehst. Einen Tipp habe ich noch: Done is better than perfekt. Einfach mal loslegen, es muss nicht alles gleich pickefein sein. Nur lege ich dir wirklich ans Herz, Maries Tipp: ALLES aus dem Schrank zu nehmen!

Viel Spass beim Ausmisten und vielleicht auch entdecken ein paar toller Kleidungsstücke, die du schon lange nicht mehr getragen hast. Übrigens: Einmal gut zu misten hilft auch, beim nächsten Kleiderkauf zu wissen, was man daheim schon hat, was man noch braucht und was man definitiv nicht kaufen sollte! 😉

 

Kommentar schreiben