Mögt ihr euch an meinen ersten Beitrag des Jahres erinnern? An die Tafel mit den vielen Bildern und Sprüchen, welche alle mit meinen Vorsätzen für dieses Jahr zu tun hatten? Genau, da stand es: ich möchte nach Amsterdam! Und nun hat es tatsächlich geklappt! Zusammen mit einer Freundin, Mami von drei Jungs im Alter von bald 6, 4 und 2 Jahren, habe ich letzten Donnerstag Nachmittag im Flugzeug Platz genommen, sehr gespannt, was mich in dieser Stadt erwarten wird.

Ich hatte fest vor, ganz viel von der Stadt zu sehen und hier davon zu berichten, gespickt mit Fotos und ein paar Tipps. Ein klassischer Reisebericht eben. Nun, ich habs versucht:

Donnerstag

In Amsterdam angekommen, waren wir erstmal überwältigt von dem riesigen und wunderschönen Bahnhof, der Central Station. Zu Fuss gings zum Hotel, auf dem Weg gaben wir schon die ersten Ahs und Ohs von uns, die Häuser in Amsterdam sind einfach entzückend. Das Hotel war es dann weniger. Unser Zimmer war definitiv keine Wohlfühloase, hatte gerade das Nötigste, und ein paar Versuche, das Zimmer moderner wirken zu lassen, sind gescheitert. Es war einfach ein Raum mit einem Bett und einem Bad und Aussicht auf eine Mauer mit Brettern verschlagenen Fenstern. Aber unschlagbar war die Lage, nahe beim Bahnhof und der Innenstadt. Und schliesslich waren wir nicht zum Wellnessen gekommen, sondern um die Stadt zu sehen. Also raus aus dem Raum, äh Zimmer, und rein ins Stadtleben. Mit einem kleinen Stadtplan vom Hotel und eigentlich keinem Plan im Kopf liefen wir los, der Nase nach und bestaunten Häuser, Brücken und Menschen.

Die letzten Sonnenstrahlen genossen wir bei einem Glas Aperol in einem Strassencafé, von wo aus wir wunderbar Menschen beobachten und quatschen konnten. Nichts Grossartiges? Für uns schon! Wir haben uns gefragt: Wann konnten wir das letzte Mal einfach in einem Café sitzen und hatten dabei Zeit, einfach zu sein? Kein Kind, dass uns am Bein hängt, keinen verschütteten Sirup und kein Schoggimuul, das geputzt werden will? Einfach ein Gespräch zu führen, eines mit ganzen Sätzen, bei dem ein Thema auch wirklich zu Ende besprochen werden kann? Wundervoll! Wie die Sonne, die langsam hinter einem hübschen Amsterdamer Hausdach verschwand.

Weiter ging es durch die Strassen, entlang den Grachten (Kanälen) und mit der Dunkelheit kam der Hunger. Ein Steakhouse war unsere Wahl für ein ruhiges Nachtessen. Wir sassen, wie hier in vielen Restaurants möglich, im ersten Stock und hatten eine tolle Aussicht auf das Treiben unter uns.

Auf dem Weg zurück ging es durchs Rotlichtviertel, um welches man in Amsterdam einfach nicht herum kommt. Wir kamen an den typischen Schaufenstern vorbei, in denen sich Prostituierte zur Schau stellen und ihre Dienste anbieten. Für mich ein trauriges Bild.

Freitag

An unserem zweiten Tag in Amsterdam hatte meine Freundin Geburtstag. Sie hat sich gewünscht, eine Grachten-Fahrt zu machen. Eine solche Bootsfahrt auf den Kanälen ist hier fast ein Muss und wirklich eindrücklich. Man kommt an vielen einmaligen Häusern vorbei, kann Hausboote bestaunen, unter Brücken hindurch fahren und dabei bekommt man einen guten Überblick über die Stadt.

Weiter ging es in eine hübsche Strasse, wo wir einen Laden mit nachhaltiger Mode besuchen wollten. Doch schon am Anfang der Strasse landeten wir in einem Kleiderladen mit wunderschönen Sachen eines Amsterdamer Labels ZILCH, wo wir dann nicht so schnell wieder rauskamen. Die meisten Stoffe sind aus Bambus (sehr nachhaltiges Produkt) und unglaublich angenehm auf der Haut! Vieles war uns zwar etwas gar bunt, doch über unsere neuen Teile sind wir super happy. So ging das dann weiter: Wir liefen der Nase nach, wir schauten in hübsche kleine Seitengässchen und ja, es zog uns auch immer wieder in verschiedene Läden. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, ganz und gar selbst entscheiden zu können, ob man hier oder da lang gehen will. Kleider anzuprobieren, ohne dabei nach Sohnemann suchen zu müssen, welcher sich zum hundertsten Mal unter den Kleiderständern versteckt. Keine Ansprüche an uns Mamis, kein Kochen auf einen Zeitpunkt, kein Streit wegen Kleinigkeiten.

Nach dem erfolgreichen Shoppingnachmittag ging es kurz zum Abladen und Umziehen ins Hotel. Bei der Central Station nahmen wir die Fähre zur NDSM-Werft, eine 15minütige Fahrt, wobei es uns ziemlich frisch um die Ohren zog. Bei der Werft angekommen, gingen wir auf die Suche nach dem Noorderlicht, einem alternativen Restaurant in einem alten Gewächshaus. Oh, war das gemütlich da drin! Wir hatten Sicht aufs Wasser und haben uns feine Häppchen bestellt, von denen wir nicht so ganz wussten, was wir erwarten konnten. Aber unser Plan war einfach: Schmeckt es nicht, bestellen wir Fish’n’Chips. Es hat aber fast alles super geschmeckt.

Zurück in der Stadt, wollten wird noch nicht so recht ins Bett, immerhin hatte meine Freundin noch Geburtstag! Etwas feiern war angesagt. Und weil uns der Bootsfahrer am Morgen den Tipp gab, die Sky Lounge Terrasse vom Hotel Double Tree zu besuchen, weil man da kostenlos hoch kann und einen unglaublichen Blick von oben auf die Stadt hat. Ein bisschen bezahlt man für die Aussicht zwar schon, die Drinks sind für Amsterdamer Verhältnisse teuer, aber es lohnt sich. Lange hielten wir es jedoch nicht aus, dafür war es einfach zu kalt und drinnen gab es schlicht keinen Platz mehr.

Samstag

Bei unserem Besuch auf der NSDM-Werft habe wir gesehen, dass hier einmal im Monat ein Flohmarkt stattfindet, der grösste Flohmarkt von Europa. Wir entschieden an diesem Morgen, dass dies unter Sight Seeing geht und nahmen nochmals die Fähre zu diesem Stadtteil hinüber. Wir wurden nicht enttäuscht, der Flohmarkt war riesig! Neben den üblichen Händlern für Antikes und Seltenes gab es auch viele Private, die ihre Habseligkeiten zum Kauf anboten. Weil der Platz in unseren Koffern beschränkt war, bestaunten wir Ersteres ausgiebig und kauften dann aber eher Kleider und Kleinigkeiten für die Kids. Ja, in Gedanken und in unseren Gesprächen ging es selbstverständlich immer wieder um unsere Lieben daheim, das Mami sein ist uns einfach im Blut.

Wir haben nur einen Bruchteil der Stände gesehen, entschieden nach ein paar Stunden aber, dass wir genug von Trödel hatten und noch etwas in der Stadt bummeln wollten. Wir liessen uns treiben, genossen das angenehme Wetter und fanden noch ein paar Kleinigkeiten, die auch sicher im Koffer Platz finden würden.

Den schönen Tag liessen wir mit einer süss garnieten Waffel, etwas, was man hier unbedingt mal essen sollte, ausklingen. Meine Freundin nahm ihre mit Erdbeeren und weisser Schokosauce, ich meine mit Banane und Nutella. Ehrlich gesagt war das unser Nachtessen, aber psst, nicht unseren Kindern verraten.

Sonntag

Noch ein letztes Mal Frühstück. Dieses nahmen wir übrigens jeweils in einem Irish Pub zu uns, welches gleich neben unserem Hotel lag. Da Hotel und Pub zusammenarbeiten, gibt’s im Pub jeweils das gebuchte Frühstücks-Buffet. Nichts Weltbewegendes, aber wir waren froh, mussten wir morgens nicht erst nach was Essbarem suchen. Danach hiess es packen und mit dem Zug zum Flughafen. Wieder waren wir froh, mussten wir mit unseren schweren Koffern nicht weit laufen.

Viel zu schnell waren die Tage um. Aber es hat gut getan, einfach mal den Kopf zu lüften, nicht ständig in Kinder-Kram eingebunden zu sein, aus der Mama-Rolle zu schlüpfen und alle Verpflichtungen daheim abgeben zu können. Nun ja, wir hätten uns vielleicht etwas mehr Kultur reinziehen sollen, Museen besuche und so. Dann gäbs für euch jetzt mehr Tipps. Doch das hebe ich mir für nächstes Mal auf, die Stadt ist auf jeden Fall einen weiteren Besuch wert!

Daheim lief übrigens alles reibungslos. Mein Mann hat sich sehr ins Zeug gelegt, er hat nach besten Wissen und Gewissen aufgeräumt,  die Kinder gut unterhalten und mir schien, sie hätten es noch eine ganze Weile ohne mich ausgehalten. Umso besser, dann kann ich beim nächsten Mal getrost sagen: Mama ist dann mal weg!

 

2 Comments

  1. Hi Darja
    Ich liiiiebe Amsterdam gehört zu meinen liebsten Städten überhaupt! Seit meinem letzten Besuch sind es leider doch wieder ein paar Jährchen, aber wenn ich deine schönen Fotos so sehe und deinen Beitrag lese zieht es mich gleich wieder hin. Schön konntest du eine Auszeit geniessen

    Ganz liebe Grüsse

    MIchèle

    • hej michéle, wirklich hammer, diese stadt. ich hatte gleich zum anfang das gefühl, dass wird nicht mein letzter besuch sein. vielleicht haben wir es deshalb auch so gechillt genommen! 😉 ich hoffe, du schaffst es auch wieder einmal! ganz liebe grüsse
      darja

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