Wer mich kennt weiss, mir macht es nichts aus, den lieben langen Tag im Haus zu verbringen. Es gibt immer was tun, sei es Haushalt, Ausmisten, oder etwas Basteln. Einfach so mal in den Wald zu gehen, kommt mir irgendwie nicht in den Sinn. Doch angeregt durch einen Artikel, habe ich mir letzten Freitag vorgenommen, mit meinen Kids einen Herbstspaziergang in den Wald zu machen. Die Idee pries ich ihnen dann beim Mittagessen an, die Begeisterung war mässig. Gerade mein Grosser, der sowas eigentlich liebt, will nach dem Kindergarten meistens daheim bleiben. Als ich aber andeutete, dass wir Sachen zum Basteln suchen könnten, war die Begeisterung dann plötzlich da. So ging es nach der Mittagspause los.

Normalerweise stecke ich zum Weggehen mein Smartphone ein. Doch ich habe mir bewusst vorgenommen, dieses daheim zu lassen. Ein Gedanke durchfuhr mich: Was, wenn etwas passiert? Es weiss ja niemand, wo wir sind? Soll ich meinem Mann noch kurz schreiben, was wir vorhaben? Für alle Fälle? Aber unsere Eltern gingen früher auch mit uns in den Wald, ohne jemandem Bescheid zu geben, also liess ich es sein.

Draussen war ich überrascht, es war recht Wind aufgekommen und dunkle Wolken hingen am Himmel.

Normalerweise würde ich jetzt das Smartphone zücken und kurz das Wetterapp öffnen, um zu sehen, ob es eher besser oder schlechter wird. Konnte ich natürlich nicht, also liess ich es darauf ankommen und entschied, einfach nicht zu tief in den Wald zu gehen, das kann bei starkem Wind schon mal gefährlich werden.

Meine Tochter läuft noch nicht so weite Strecken, deshalb waren wir mit Buggy unterwegs. Da hätten unser Zvieri und die Jacken gut reingepasst, doch beide Kinder bestanden auf einen Rucksack. Was für die Kleine dann DIE Beschäftigung war. Anziehen, Schnallen zu tun, Schnallen auf tun, ausziehen,… Wieder anziehen, wieder Schnallen zu tun, wieder Schnallen auf tun, wieder ausziehen. Kurz: Wir kamen nicht vom Fleck. Aber der Weg ist das Ziel und zwischendurch haben wir schöne Blumen am Wegrand entdeckt und bestaunt.

Zvieri wollten wir am Waldrand essen, da gibt es eine schöne Stelle mit Tisch und Bänkli. Da angekommen, ging aber erstmal das grosse Sammeln los. Wir fanden kleine Nüssli in so kleinen stacheligen Hüllen, letzteres toll zum Basteln. Aber wie hiessen die nochmal? Nicht Haselnüsse, nicht Eicheln. Es lag mir auf der Zunge.

Normalerweise hätte ich jetzt kurz mein Smartphone gezückt und bei Google nach dem richtigen Begriff gesucht. Gut, dass ich das nicht konnte, denn etwas später kam es mir wieder in den Sinn: Das waren Buchennüssli.

Nun war es erstmal Zeit für eine kleine Stärkung aus dem Rucksack.

Normalerweise hätte ich jetzt einen- nur ganz kurzen- Blick aufs Smartphone gemacht. Für den Fall, dass mich jemand gesucht oder mir geschrieben hat. Die Kinder brauchen ja immer einen Moment zum Essen und meine mögen dabei gar nicht gross plaudern, da hat man Zeit dafür. Doch stattdessen beobachtete ich die beiden, staunte über ihre Selbstständigkeit, darüber wie schnell sie gross wurden und wurde auch ein kleinwenig wehmütig, weil es eigentlich ZU schnell geht. Ach ja, und ich hätte natürlich ein Foto von meinen beiden Süssen gemacht.

Aber dann waren sie satt, wir liessen Rucksack und Buggy am Waldrand und machten uns auf die Suche nach spannenden Dingen im Wald. Mein Sohn meinte, wir sind jetzt Waldforscher und erforschen den Wald. Als erstes fand er einen riesigen Holzprügel, den er von da an mit sich schleppte. Wir bestaunten verschiedene Rinden, waren traurig über diverse Ritze in diesen, die doch dem Baum sicher weh tun müssen. Wir fanden Abfall, den wir auflasen um ihn dann zu entsorgen. Wir fanden Zapfen und hübsche Äste, die wir sammelten und wir fanden Pilze. Sehr viele Pilze! Sieben verschiedene Sorten. Wir waren fasziniert, vor allem auch von den intensiven Farben, gelb, orange, violett. Als kleines Mädchen war ich oft mit meinem Vater Pilzen, daher kenne ich einzelne Sorten, doch diese waren mir leider nicht bekannt.

Normalerweise hätte ich zum Smartphone gegriffen und versucht, diese zu identifizieren. Wäre ja wirklich schön gewesen, den Kindern die Namen nennen zu können und ein Foto davon zu machen. Es waren echt schöne Exemplare. Auch von meinen Kindern im Wald hätte ich gerne ein paar Fotos geknipst.

Wir blieben immer in der Nähe des Waldrandes. Als der Wind heftiger wurde, war es Zeit, aufzubrechen. Der grosse Holzprügel musste natürlich auch mit, für die Steckensammlung. Auf dem Heimweg fanden wir noch andere, kleine Tannzapfen. Müde, aber glücklich, kamen wir zu Hause an.

Das Smartphone liess ich gleich noch einen Moment liegen. Und auch wenn ich nun etwas traurig bin, euch hier keine Wald- und Pilzfotos zeigen zu können, so bin ich doch froh, habe ich es für einmal zu Hause gelassen. Es war eine spannende Erfahrung, zu merken, wie oft man dieses Ding nur mal kurz in den Händen hat. Wie sehr man sich gewohnt ist, ständig überall Zugang zu Informationen zu haben. Wie wenig man dabei aber auf sich selbst und seine Intuition vertraut. Wir werden das ganz bestimmt wiederholen und falls ich dabei Fotos machen will, nehme ich einfach die Fotokamera mit, dafür wäre sie ja eigentlich gedacht.

Was wir aus unseren Waldfundstücken gemacht haben, das verrate ich euch nächste Woche.

Habt ihr das Smartphone immer dabei, wenn ihr aus dem Haus geht? Oder legt ihr bewusst Smartphone- Pausen ein?

 

 

 

2 Comments

  1. Ich lasse das Teil zu Hause wenn ich mit der Kleinen wägele gehe. Auch am Wochenende hat meistens nur mein Mann seines dabei. Im Prinzip würde es ja ausreichen, nur 1x abends darauf zu schauen. Da übe ich noch, aber ich kann Smartphone-freie Zeiten nur wärmstens empfehlen. Und meine Social Media-Konten habe ich auch gelöscht – wirkt befreiend und man hat plötzlich mehr Zeit 😉

    • liebe meli, da kann ich mir echt eine scheibe von dir abschneiden! Ich hatte immer das gefühl, nicht soo viel am smartphone zu sein, abends halt, wenn die kids im bett sind, oder über mittag,… mit der neuen app ‚bildschrimzeit‘, die es seit dem update auf meinem handy hat, bin ich richtig erschrocken, wie viel ich tatsächlich am handy bin, vorallem auf FB! Mal sehen was ich mit dieser info mache. Löschen kommt in Moment nicht in Frage, dafür ich das was ich im moment mache zu sehr an die sozialen medien gebunden. Es gilt wohl, mich selbst zu erziehen! Aber echt Hut ab, dass du dich da ausgeklinkt hast! Geniess es, besonders mit deinen beiden Schätzen! 😉 glg darja

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