Mein sonst recht ordentliches Zuhause ist in den letzten drei Wochen etwas im Chaos versunken. Dies nicht etwa, weil die Kinder überall ihre Spielsachen herumliegen liessen, nein, das Chaos habe ich selbst produziert. Wie das kam? Ich habe anfangs Monat auf Facebook von einer Aufräum-Challenge gelesen und mich spontan dazu entschieden, mitzumachen. Es ging darum, Ordnung zu schaffen. Normalerweise habe ich Ende Jahr das Bedürfnis, mein Haus nach Dingen zu durchforsten, die wir nicht mehr brauchen, um dann ohne unnötigen Ballast ins neue Jahr zu starten. Doch November und Dezember sind ja oft voll mit Anlässen und Aktivitäten, da will man die ruhigen Momente lieber für Angenehmeres als Aufräumen nutzen. Ein guter Grund, schon jetzt im Oktober Ordnung in meinem Zuhause zu schaffen. Ganz besonders, weil ich Ordnung liebe! Und so ging das:

Die Challenge

Bei dieser Challenge, von der Aufräum-Coachin Martina Frischknecht Surber alias Frau Ordnung ins Leben gerufen, ging es darum, jeden Tag Sachen auszumisten. Am ersten Tag des Monats eine Sache, am zweiten zwei Sachen, usw. Wenn man das den ganzen Oktober täglich so macht, hat man am Ende des Monats 496 Sachen weniger! Wow, wenn das mal nicht ein Argument ist, da mitzumachen. Täglich konnte man dann ein Foto von den ausgemisteten Dingen in einer Facebook Gruppe posten. Es war spannend und inspirierend zu sehen, wie andere Frauen die Challenge angingen und wo man auch noch ausmisten könnte.

Der Anfang war einfach. Hier und da fand ich etwas, dass ziehen durfte. Doch mit der Zeit wurde es intensiver. Normalerweise gehe ich meine Aufräum-Aktionen systematisch an, ich nehme mir Zimmer für Zimmer vor. Doch da die Challenge ja nicht geplant war, musste ich das Ausmisten in meinen Alltag integrieren. So kam es, dass ich draussen, wenn die Kinder am Spielen waren, im Gartenhaus anfing, abends beim Kochen eine Küchenschublade, vor dem ins Bett gehen die Kosmetika durchschaute. Ich war also überall ein bisschen dran, vielleicht nicht ganz ideal, aber ich war hoch motiviert und es ging oft ziemlich zackig.

Wie es zum Chaos kam

Aber mit dem Ausmisten selbst ist es ja oft nicht getan. Ist alles aus einer Schublade heraus, muss es auch schön wieder rein. Das braucht extra Zeit. Daneben entstand oft ein Haufen mit Dingen, die erst fotografiert und dann aussortiert werden mussten. Was kommt in den Abfall? Was kann ich weitergeben? Was muss speziell entsorgt werden? Was bekommt im Haus einfach ein anderes Plätzchen? Nicht immer kam ich dazu, dies dann auch alles abzuarbeiten bevor mich schon an einem neuen Ort die Aufräumwut packte.

Aufräum-Differenzen

Da ich ja mit meiner Familie hier lebe, kann ich auch nicht über alle Dinge alleine entscheiden. So habe vieles einfach rausgelegt und auf den geeigneten Moment gewartet, meinen Mann oder meine Kinder zu fragen, was sie behalten wollen. Gerade mit meinem Mann gab das die eine oder andere Diskussion. Mein Mann hat die Tendenz, alles zu behalten, was man vielleicht mal noch brauchen kann. So stand beispielsweise unser alter Racletteofen zwei Jahre unbenutzt im Keller, nur für den Fall, dass wir mal viele Gäste haben. Er fand, man könne ihn doch einfach da stehen lassen, ich fand, er kann weg, sollten wir wirklich mal so viele Leute sein, können wir einen Ofen ausleihen.

Neben dem Racletteofen stand unser Wok. Den haben wir sicher schon 7 Jahre, haben ihn früher öfter mal gebraucht, seit wir aber hier wohnen nicht mehr. Darum stand er auch im Keller, wodurch er aber auch nicht öfter zum Einsatz kam. Ich habe ihn dann in die Küche gestellt und meinen Mann gefragt: Behalten oder nicht? Er fand JA, sowas tut man nicht einfach weg! Ich NEIN, wir brauchen ihn ja nie! Wir haben uns geeinigt, dass wir ihn noch einmal brauchen und dann entscheiden. Also habe ich ihn herumstehen lassen (nicht versorgt!!!) und ein paar Tage später hat mein Mann ein Hammer Thai Curry gekocht! Der Wok hat daraufhin wieder Einzug in unsere Küche gefunden. Ich musste zwar etliche Schüsseln ausmisten, um ein gutes Plätzchen für das grosse Ding zu schaffen, doch im Keller wollte ich ihn definitiv nicht mehr. Zu gross ist da die Gefahr des Vergessens.

Dinge rumstehen lassen

Der Wok war nicht das einzige, was in dieser Zeit herumstand. Bei vielem war ich unschlüssig: Behalten oder nicht? Gebrauchen kann man es noch, aber brauche ICH es noch? Zum Beispiel meine vielen Haarbänder. Mir gefallen Frisuren mit Haarbändern, tragen tue ich sie aber eher selten. Die meisten Haarbänder verursachen mir leider Kopfschmerzen. Also habe ich mich durch meine ganze Sammlung getestet. Ich liess sie in der Küche liegen und trug jedes Band für eine Weile. Die Hälfte flog raus, weil mein Kopf schon nach einer Stunde weh tat.

Das Selbe mit diversen Kosmetikprodukten: Wenn man sie einfach nur durchschaut, bleibt das meiste im Schrank. Nun liess ich aber vieles zum Testen im Bad stehen. Und siehe da, eine Bodylotion hat auch im verschlossenen Zustand einen komischen Geschmack bekommen. Weg damit. Das Haarpuder für mehr Griffigkeit hat mir Kopfjucken bereite. Weg damit. Der wasserfeste Mascara aus den letzten Ferien verklebt mir die Augenbrauen. Weg damit. Dafür habe ich ein paar ganze tolle Lippenstifte wieder entdeckt. Und ein paar Sachen stehen noch da, die einfach mal aufgebraucht werden wollen.

Ordnung im Kleiderschrank

Hier habe ich ja erst vor kurzem aufgeräumt, wie du hier lesen kannst. Bei den Kleidern und Schuhen habe ich es daher etwas anders gemacht: Ganz bewusst habe ich in diesen Wochen zu solchen gegriffen, die ich schon ewig nicht mehr getragen habe. Es waren hauptsächlich Herbstkleider. Ein paar Kleidungstücke zog ich gleich nach dem Anziehen wieder aus. Einfach weil sie nicht mehr passten. Eine Hose war auf meiner Haut so unangenehm, da war mir egal, dass ich die Farbe sehr mochte. Weg damit. Manchmal lief ich deswegen auch etwas schräg gekleidet herum, etwas zusammengewürfelt. Aber so gab es auch gleich neue Lieblingsstücke und Ideen zum Kombinieren. Einige Gürtel hingen wunderschön in meinem Schrank, doch nachdem ich sie einen Tag getragen habe, blätterte die Farbbeschichtung ab. Weg damit.

Bastelsachen

Mein Bastelzeug habe ich in den letzten Jahren immer mal wieder durchgesehen. Als Sammlerin in diesem Bereich ist das unumgänglich. Bis jetzt habe ich z.B. Farbtöpfe einfach angeschaut und dann entschieden, kann ich noch brauchen oder nicht. Diesmal habe ich wirklich ALLE Töpfe, Tuben und Stempelkissen getestet. Das Ergebnis war ernüchternd. Vieles ist eingetrocknet und war nicht mehr zu gebrauchen. Schade, teilweise waren diese Farben sehr teuer. Mein Ziel ist nun, in Zukunft nur noch Farben zu kaufen, die ich für ein bestimmtes Projekt brauche.

Vor dem Einschlafen

Nicht nur im Haus war es chaotisch, auch in meinem Kopf ging es drunter und drüber. So kamen mir oft vor dem Schlafen Dinge oder Orte in den Sinn, die ich noch einmal durchsehen musste. Zum Beispiel meine Sammlung von Armreifen. Ich trage keine Armreifen. Ich finde sie unbequem. Vor einigen Jahren waren sie mal im Trend und ich habe ein paar wirklich hübsche gekauft. Ich konnte mich bis jetzt nicht davon trennen. Doch als ich da in meinem Bett lag, stellte ich mir die Frage: Würde ich sie tragen, wenn sie wieder in Mode kommen? Ganz klar: Nein. Sie haben mich immer gestört. Ein paar Lieblinge sind in der ‚Verkleiderlikiste‘ meiner Kinder gelandet, für kleine Prinzessinnen und gefährliche Piraten ein prima Schatz. Der Rest kam weg. Es war ein gutes Gefühl, sie ziehen zu lassen.

Wenn ich mich nicht trennen konnte

Es gab einige Dinge, von denen ich mich nicht trennen konnte. Die ich nie trage oder nie brauche, aber die doch wieder zurück in den Schrank oder die Schublade wanderten. Diese habe ich markiert. Zwar nicht mit Leuchtstift oder Post-it (obwohl, das wäre keine schlechte Idee gewesen), aber in meinen Gedanken. Diese Dinge bekommen noch eine Chance. Ich weiss jetzt wieder, dass sie da sind, bereit zum Gebrauch. Wenn sie bis zu meiner nächsten Aufräum-Runde nie gebraucht wurden, dürfen sie definitiv gehen. Dazu gehören vor allem Vasen, Dekosache und diverse Dinge aus der Küche (besonders die, welche eben im Keller sind, statt in der Küche).

Ende der Challenge

Der Monat ist noch nicht um, doch ich wollte nicht bis Ende Monat in diesem chaotischen Zustand leben. Also habe ich Gas gegeben und für mich die Challenge beendet. 496 Sachen kamen weg. Sogar noch ein paar mehr. Zum Beispiel über 300 lose in einer Box liegende Fotos. Die anderen habe ich nach einem neuen System geordnet, so hat man auch Freude, die Fotos mal wieder durchzusehen. Zum Schluss ging ich noch einmal durchs ganze Haus. Habe ich wirklich jede Schublade geöffnet? In jede Kiste geschaut? Ist wirklich nur noch das da, was wir wirklich brauchen oder haben möchten? Oh, es ist noch immer viel. Aber es fühlt sich gut an, in aufgeräumte Schubladen zu blicken, zu wissen, dass man in einem Schrank noch etwas Stauraum hat. Das Räumen war somit beendet.

Chaos beseitigen, Ordnung schaffen

Nun ging es mit der Arbeit noch einmal richtig los. All die Sachen mussten entsorgt, ins Brocki oder in die Börse gebracht werden. Überall standen Taschen und Kisten voller Sachen. Einiges konnten wir verschenken. Einige Dinge habe ich auch via Facebook verkauft. Es war ein gutes Gefühl, diese Woche von allem Abschied zu nehmen. Die Dinge ziehen zu lassen. Anderen damit eine Freude zu machen. Nach dem Chaos kam die Ordnung. Nun gehe ich durch mein Zuhause und spüre die neue Leichtigkeit.

Fazit

Das Aufräumen und Ausmisten haben mir gezeigt, wie oft ich Dinge kaufe, die ich dann gar nicht brauche. Wie oft kauft man ein Multipack, weil es Aktion ist, und halst sich damit unnötigen Ballast auf? Oder wie viele Gratis Geschenke hat man im Haus, die dann einfach nur herumliegen? Braucht man alles in allen erdenklichen Grössen, Farben und Formen? Mit diesen Gedanken gehe ich nun durch die Geschäfte.

Gerade heute wollte ich ein 3er Pack mässig schönes Geschenkpapier kaufen. Der Preis war verlockend. Da dachte ich: Was mache ich bloss mit so viel Geschenkpapier? Ich habe mich dann für eine einzige Rolle entschieden. Die gefiel mir auch viel besser und ich habe sogar noch passende Sticker (beim Aufräumen wiedergefunden) zu Hause.

Ich bin sehr froh, dass ich über die Challenge gestolpert bin und so einen Ansporn hatte, meine Sachen in Ordnung zu bringen. Vielleicht konnte ich dich ebenfalls etwas anstupsen, dein Heim nach unnötigem Ballast zu durchforsten? Vielleicht entsteht dadurch erst etwas Chaos, aber glaube mir, die Ordnung danach wirst du geniessen.

Hier noch ein paar Tipps zum Ordnung schaffen:

  • Schubladen und Schränke wenn irgend möglich komplett ausräumen.
  • Tuben, Dosen, Kosmetika, Farbtöpfe öffnen und testen, von aussen sieht man selten, ob etwas noch gut ist.
  • Technische Geräte: Testen ob sie noch funktionieren, ob das passende Kabel noch da ist und überlegen, brauche ich das wirklich noch. Und gleich auch die Kiste mit den Reserve-Kabeln misten. Oft entsorgt man ein Gerät ohne Ladekabel und hat dann hunderte davon. Wie viele braucht man wohl? und reicht ein Kabel evtl. auch für zwei Geräte?
  • Lose Fotos, wie oft schaust du sie dir an? Wäre es vielleicht besser, ein Album anzulegen? Ich habe die schönsten behalten, unscharfe und schlechte Schnappschüsse beseitigt und mir transparente Dokumententaschen (gibt es A4 und A5) zugelegt, für jedes Thema eine. So kann ich meinem Sohn und meiner Tochter, wenn sie ausziehen, einfach die Tasche mitgeben. Oder wir können mal gemeinsam in meinen Teenie Fotos stöbern.
  • Kleine Boxen in den Schubladen helfen, Ordnung zu halten. Ich liebe die von Rotho, die man zusammenstecken kann und die es in diversen Grössen gibt. Gibt es in allen möglichen Baumärkten (OBI, Bau&Hobby,…)
Ordnung in der Schublade

 

 

 

2 Comments

  1. Damaris Ritzmann Reply

    Liebe Darja
    Danke für die tollen Tipps. Habe mich sogleich an die Arbeit gemacht und immer wieder einen Schrank oder eine Schublade aus- und aufgeräumt. Es macht richtig Spass und am Schluss freut es einem wenn man viel Ballast losgeworden ist.
    Bei deinem Beitrag über den Kleiderschrank hast du so tolle Kleiderbügel. Wo hast du die gefunden?
    Ich lese immer gerne deine Einträge.
    liebe Grüsse
    Damaris

    • sali damaris, oh das freut mich, dass es dich gleich gepackt hat! tut gut, gell, wenn man sich von sachen trennen kann, die eigentlich nicht mehr zum jetzigen leben gehören! du meinst sicher die rosa bügel? die habe ich von tschibo. ich bin nicht sicher, ob sie die immer haben, evtl. auch in einer anderen farbe. aber mittlerweilen haben diverse geschäfter (z.b. coop) so dünne kleiderbügel. damit spart man echt platz. leider funktionieren sie nicht bei allen kleidern gleich gut, weshalb ich auch noch die typischen schwarzen plastik bügel habe. viel spass weiterhin mit deinem daheim und schön, dass du hier mitliest. liebs grüessli, darja

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