Nach meinem Beitrag im Sommer zum Thema ‚Zurück im Alltag‘ hat eine Leserin gefragt, ob ich nicht mal über das Thema Ämtli schreiben kann. Gerne teile ich heute ein paar meiner Gedanken dazu mit euch. Zudem zeige ich, wie wir das zur Zeit handhaben und wie ich mir die Mithilfe im Haushalt in Zukunft vorstelle. Ganz wichtig ist mir dabei: Es gibt nicht den richtigen Umgang mit Ämtli oder der Mithilfe im Haushalt, vielmehr ist jede Familie aufgefordert, darin den Weg zu gehen, der für ihre Situation passt.

Warum Ämtli?

Der Sinn von Ämtli ist es, Kinder schon früh dafür zu sensibilisieren, dass in einem Haushalt verschiedene Arbeiten anfallen und jeder seinen Teil dazu beizutragen hat, damit es rund läuft. In meiner Tätigkeit als Lehrerin und auch als Mami habe ich festgestellt, dass die Kinder grundsätzlich mit Freude mithelfen. Klar macht nicht jede Arbeit gleich viel Spass, manchmal lockt das Spiel mehr als die anstehende Aufgabe, aber das kennen wir Erwachsenen ja auch. Ämtli, vor allem wenn sie klar definiert sind, können für ein Kind eine Richtlinie sein, was es zu tun hat. Solche Richtlinien können aber auch die Freude etwas eindämmen, welche beim freiwilligen Mithelfen entstehen kann.

Mithilfe- verschiedene Wege

Ich habe ein paar Mamis gefragt, wie sie es mit den Ämtli handhaben und ob sie einen Ämtliplan führen. Ich war etwas erstaunt, denn keine von ihnen arbeitet mit einem Plan. Mithilfe wird aber erwartet. Bei einer Freundin ist klar definiert: Die eine Tochter macht Mittags die Küche, die andere Tochter Abends. Eine andere Freundin meinte, die Kinder helfen einfach nach dem Essen in der Küche. Sie ist mit dabei, damit es am Schluss so ist, wie sie es haben möchte. Zudem seien die Kinder mit Schule, Aufgaben und Hobbies so eingespannt, dass sie ihnen keinen strikten Plan auferlegen wolle. Dafür mäht der Sohn ab und zu gut und gerne den Rasen. Bei anderen ist der Ämtliplan eine Baustelle, die sie bald mal angehen wollen.

Braucht es einen Plan?

Diese Frage stelle ich mir- ehrlich gesagt- selbst. Auf einem Plan wird klar ersichtlich, was getan wurde und was noch getan werden muss. Gerade mit mehr als einem Kind und wenn die Kinder grösser werden, kann es helfen, Aufgaben ganz klar zuzuteilen. Bei Fabienne von mamabüro.ch habe ich vor einer Weile eine spannende Idee gelesen. Bei ihr werden alle möglichen Ämtli und die Namen der Kinder in ein Raster eingeschrieben. Wird ein Ämtli erfüllt, kann man da einen Strich machen. Einmal in der Woche wird geschaut, wer wo Striche hat. Damit hat man dann eine Grundlage, über die Ämtli zu sprechen. Wer hilft wieviel? Wer macht was gerne? So kann jedes Kind da etwas tun, wo es besonders gerne hilft.

Mir persönlich gefällt solch ein ‚freier‘ Plan. Noch besser würde es mir aber gefallen, wenn die Kinder auf meine Bitte hin, oder in zunehmendem Alter sogar aus freien Stücken, mithelfen. Einfach weil es dazugehört, weil sie sehen, was Mami und Papi tun, weil sie von sich aus verstehen, dass es in einer Gemeinschaft die Mithilfe von allen braucht. Ämtli wären dann hinfällig. Ich glaube aber, dass ich von meinem 6-jährigen Sohn nicht erwarten kann, dass er auf die Idee kommt, das Badezimmer zu putzen oder den Rasen zu mähen. Bei uns geht es im Moment vielmehr darum, die einfachen und eben selbstverständlichen Arbeiten wie Tisch decken, Tisch abräumen, Abwaschmaschine füllen (anlassen findet er besonders spannend) und Tisch putzen zu LERNEN und danach zu AUTOMATISIEREN.

Wir haben einen Plan

Aus diesem Grund habe ich eine Art Plan entwickelt. Er muss fünfmal in der Woche eine der oben genannten Aufgaben erfüllen, also z.B. Tisch decken oder Abräumen und Tisch putzen. Die ganze Küche schafft er noch nicht, auf dieses Ziel arbeiten wir aber hin. Einiges wird dabei noch gemeinsam gemacht, da er es noch nicht so ganz kann. Die 2-jährige Tochter hat noch keinen Plan, sie hilft nach Lust und Laune mit. Klar will sie auch ein Konfiglas in die Küche tragen, wenn der Bruder ein Glas Honig in die Hände nimmt. Sie hilft gerne, ganz besonders, wenn ihr grosses Vorbild dies auch tut.

Wie unser Plan aussieht

Wie gesagt, unser Plan ist eigentlich kein Plan. Es gibt weder fixe Ämtli noch fixe Tage. Bedingung ist einzig, dass fünfmal in der Woche eine Portion geholfen wird. Bei uns gibts dafür jeweils einen Stern in das Fenster der Ämtlirakete. Ziel ist es, immer bis Samstag die fünf Fenster zu füllen. Was mir dabei gefällt? Unser Sohn hat so selbst in der Hand, wann er hilft, ich aber auch. Denn muss es mal schnell gehen, bin ich froh, die Arbeit selber machen zu können. Dafür kann es mal für eine Gartenarbeit oder eine andere Hilfe einen Stern geben. Klar, nicht alles gibt einen Stern. Mir ist wichtig, Handreichungen in Haushalt und Garten selbstverständlich zum Miteinander gehören.

Wer gerne einen klassischen Ämtliplan machen möchte, findet dazu im Internet viele tolle Ideen.

Verantwortung übernehmen

Meine Kinder sind noch eher klein, darum sind auch die Aufgaben noch recht einfacher Natur. Doch mit zunehmendem Alter können Kinder auch grössere Arbeiten übernehmen, z.B. Bad putzen, Auto putzen, Staubsaugen, Rasen mähen,… Ich persönlich finde es wichtig, dass nicht nur eine Arbeit abgegeben wird, damit man sie nicht selbst tun muss, sondern dass man Schritt für Schritt Verantwortung abgeben kann. Da macht es mehr Sinn, dass ein Bereich für eine längere Zeit das ‚Ämtli‘ von einem Kind ist.

Das Bad ist ein tolles Beispiel dafür. Übernimmt ein Kind für eine gewisse Dauer (z.B. einen Monat oder sogar länger) die Verantwortung für das Bad, führe ich es erst in die verschiedenen Teilaufgaben des Badputzens ein. Vorzeigen und dann gemeinsam putzen sind da unbedingt notwendig, denn nur so lernt das Kind etwas über verschiedene Putzmittel, Abläufe beim Putzen und vielleicht noch ein paar Sachen, die den Eltern wichtig sind, wie Klopapier nachfüllen u.s.w. Beim nächsten Mal wird unter Aufsicht geputzt oder nochmals gemeinsam. Danach soll das Kind es alleine machen, aber mit einer liebevollen Kontrolle. Nun hat das Kind das Rüstzeug, die Verantwortung für das Bad zu übernehmen. Idealerweise hat das Kind dann nicht einfach einmal in der Woche den Druck: Oh, ich muss ja noch das Bad putzen! Sondern es sieht auch unter der Woche, dass das Lavabo schmutzig ist und wischt spontan mal nach oder sieht die leere WC-Rolle und tut eine Neue rein. Statt einfach eine Aufgabe zu erfüllen und danach abzuhacken fühlt sich das Kind als ‚Chef‘ in diesem Bereich und darf vielleicht sogar mal sagen, was es sich von den anderen Familienmitgliedern hier wünscht.

Bei uns sind das aktuell noch Zukunftspläne. Wir arbeiten zurzeit an den kleinen Aufgaben, wobei es auch hier das Ziel ist, dass die Kinder mehr und mehr die Verantwortung übernehmen und stolz darauf sein können, es selbst zu können.

Das eigene Zimmer

Nach dem Kindergarten die Sachen an die Garderobe hängen, seinen Teller und sein Glas abräumen oder das eigene Zimmer in Ordnung halten,… Zu lernen, sich um ‘seine eigenen Sachen zu kümmern’, ist wichtig, es sind aber nicht Aufgaben, die man für das Gemeinwohl übernimmt und daher in meinen Augen auch keine Ämtli. Für das eigene Zimmer kann das Kind Schritt für Schritt selber Verantwortung übernehmen. Ab einem gewissen Alter kann dies auch bedeuten, dass die Bettwäsche selbst gewechselt und gewaschen wird. Auch hier scheint mir wichtig, dass das Kind die Verantwortung langsam und mit Begleitung übernehmen kann.

Ämtli und Taschengeld

Im Internet gibt es viele Empfehlungen zum Thema Taschengeld. Man findet dabei vor allem Angaben, wieviel Taschengeld man im welchem Alter vergeben soll. Es wird empfohlen, das Taschengeld nicht in Bezug auf die Erfüllung von Ämtli zu vergeben. Auch soll das Taschengeld streichen nicht als Strafe eingesetzt werden. Für das nicht Befolgen von Regeln gibt es sinnvollere und logischere Konsequenzen.

Strafen mit dem Taschengeld finde ich selbst auch nicht sonderlich hilfreich. Doch wir wollen unseren Kindern beibringen, dass für Geld auch gearbeitet werden muss. Daher haben wir aus dieser Empfehlung und unserem eigenen Verständnis zu diesem Thema eine Mischung gemacht. Unser Sohn bekommt aktuell jede Woche 50 Rappen Taschengeld, egal was er tut oder nicht. Wenn er aber seine 5 Sterne schafft, bekommt er noch einmal 50 Rappen dazu. Dies machen wir seit einigen Monaten so, bis jetzt läuft es sehr gut und er möchte die 5 Sterne selbstverständlich holen. Mir selbst ist aber bewusst, dass dieses System einen Haken hat: Was, wenn er beschliesst, dass er das Geld nicht will und sich deshalb weigert, im Haushalt mitzuhelfen? Nun ja, dann werden wir gefordert und müssen wohl einen neuen Weg finden.

Wie oben erwähnt, ich glaube nicht, dass es DEN Weg gibt, mit Ämtli umzugehen. Vielmehr gilt es, einen für sich und die Familie passenden Weg zu finden.

Spass nicht vergessen

Arbeit kann ganz klar Spass machen. Wieso beim Abwasch nicht mal zusammen Singen? Oder bei der Gartenarbeit gemütlich plaudern? Ja, gemeinsam macht vieles mehr Spass, vielleicht dürfen Geschwister ein Teil ihrer Ämtli ja gemeinsam machen, statt die Ämtli aufzuteilen?

Lob nicht vergessen

Wir alle gehen motivierter an die Arbeit, wenn vergangene Arbeiten entsprechend honoriert wurden. Daher kann man hier auch gerne grosszügig mit Lob und Dank sein. Damit zeigt man: ich habe gesehen, WAS du gemacht hast, WIE du es gemacht hast, und ich bin DANKBAR für deinen Einsatz. Klar, man kann es auch übertreiben. Aber Lob und Dank haben hier auch mal ihre Berechtigung, wenn nicht alles perfekt ist oder einfach anders gemacht wurde. Der Einsatz, der Wille, die gute Absicht sind hier viel wichtiger, als die perfekte Arbeit. Hat man klare Vorstellungen gibt es nur eines: Die Arbeit oft zusammen mit dem Kind machen und ihm zeigen, wie man es haben möchte. Lob und Dank macht Freude und stärkt das Selbstbewusstsein, wer will sich das nicht wieder und wieder holen?

Letzte Woche durfte unser Sohn das erste Mal selbst die Abwaschmaschine starten. Als er es geschafft hat, gab es von mir ein High Five! Stolz und glücklich ist er aus der Küche marschiert.

Hier noch ein Bild von unserem Raketen-Ämtliplan. Die Rakete klebt auf einer magnetischen Platte, die Sterne sind ebenfalls magnetisch und können verschobe werden. Statt einer Rakete kann man auch eine Blume mit der entsprechenden Anzahl Blütenblätter, ein Haus mit Fenstern,… machen.

 

 

 

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