Es lag so verheissungsvoll schön da, ein in rosaroten Stoff gebundenes Buch mit dem Titel: Das 6-Minuten Tagebuch. Ich musste darin blättern. Es geht in dem Buch darum, sich täglich Zeit zu nehmen, seine Dankbarkeit auszudrücken. Ein toller Gedanke! Ich legte das Buch zurück, doch auf dem Heimweg ging mir das Buch nicht aus dem Kopf. Kurzerhand habe ich es bestellt und nun ist es seit einigen Wochen etwas vom Ersten, was ich morgens in den Händen halte und das Letzte, was ich abends auf meinen Nachttisch lege.

Was das Buch verspricht

Auf der ersten Seite im Buch steht: Das 6-Minuten Tagebuch – Ein Buch, das dein Leben verändert. Wow, dachte ich, ob sich der Schreiber des Buches nicht etwas sehr aus dem Fenster lehnt? Wie ist das möglich, wenn ich einfach nur ein paar Minuten am Tag schreibe? Nun, das Buch besteht nicht nur aus leeren Seiten, die es zu füllen gilt. Im ersten Drittel des Buches wird genau erklärt, auf welche Art und Weise das Schreiben in dieses Buch einen positiven Effekt auf das eigene Leben hat. Es geht um die sogenannte positive Psychologie, welche den Fokus auf die psotiven Dinge richtet statt auf das, was nicht funktioniert. Auf das was man hat, statt auf das, was man nicht hat. Gekoppelt mit Achtsamkeit und Selbstreflektion kann dies, so die Aussage, zu mehr Lebensqualität führen, ja sogar das Leben verändern.  Dieser theoretische Teil wird untermalt mit tollen Sprüchen und Verweisen auf Studien, die zu diesem Thema gemacht wurden. Nach dem Lesen dieser Seiten konnte ich es kaum erwarten mit dem Schreiben zu beginnen.

Tagebuch mit Hilfestellung

In einem klassischen Tagebuch schreibt man, was man an einem Tag erlebt hat oder was einem gerade beschäftigt. Ich selbst führe schon das zweite Jahr das ‚Some Lines a Day‘ Tagebuch von Leuchtturm, wo man über 5 Jahre täglich ein paar Zeilen über den Tag schreibt, wobei man jedes Jahr von neuem beginnt und so immer sehen kann, was man vor einem oder zwei Jahren genau an diesem Tag gemacht hat. Doch dies ist mehr für Geschehnisse gedacht. Im 6-Minuten Tagebuch helfen einem 6 Fragen, die ‚richtigen‘ Sachen aufzuschreiben, damit das Tagebuch auch den gewünschten Effekt hat. Es werden am Morgen drei Fragen/ Themen behandelt und am Abend ebenfalls.

Ich bin dankbar für…

Hier schreibt man 3 Zeilen darüber, wofür man dankbar ist. Oft hat sich das bei mir wiederholt: Meine Kinder, mein Mann, Freunde,… aber manchmal, wenn ich morgens noch etwas schlaftrunken da sass, war ich dankbar für mein warmes Bett oder auch einfach für den neuen Tag, der vor mir lag. Wichtig ist: Nicht nur aufschreiben, sondern dieser Dankbarkeit kurz nachfühlen, damit sie sich im Hirn festsetzt und man sie auch mit in den Tag nimmt. Aber im Buch ist das genau beschrieben.

Was würde den heutigen Tag wundervoll machen?

Hier musste ich aufpassen, nicht einfach zu schreiben: Eine erledigte to-do Liste! Oder gar meine To-Do Liste aufzuschreiben. Vielmehr soll man aufschreiben, wie man sich fühlen will und was einem dazu verhilft. Zum Beispiel: Ich möchte mich vital und gesund fühlen, darum gehe ich heute eine Runde joggen. Oder: Ich möchte mich verbunden fühlen, darum werde ich heute meine Freundin XY anrufen. Selbstverständlich soll man das dann auch umsetzen. Ein bisschen ist es wie ein Versprechen, dass man sich selbst gibt. Wie bei allem in diesem Buch geht es hier darum, das Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Positive Selbstbekräftigung

Hier schreibt man, wie man sein will, auch wenn man vielleicht noch gar nicht so ist oder unterstreicht seine positiven Eigenschafte. Bei mir war das oftso in die Richtung: Ich bin ein geduldiges Mami. Es kann aber durchaus weitergehen, ein ergeiziges Ziel kann gesteckt werden und mit immer wieder aufschreiben, bewegt man sich auch auf dieses Ziel zu. Für mich war dieser Teil des 6-Minuten Tagebuchs nicht immer so einfach auszufüllen.

Was habe ich heute Gutes für jemanden getan

Hier kannst du notieren, wenn du eine Surprise Zeitung gekauft hast oder sonst eine gute Tat vollbracht hast. Oft fiel mir am Abend aber rein gar nichts ein, was ich Gutes für jemanden getan habe. Bis ich anfing, auch ganz kleine Dinge zu notieren, die ich für jemanden anderen getan habe. Ja dann stand da zum Beispiel: Ich habe heute die Wäsche für die ganze Familie gemacht, das Lieblingsmenu meines Sohnes für ihn gekocht oder meiner Tochter die Nägel angemalt. Toll ist natürlich, wenn man was ausserhalb der Familie helfen kann, doch im Moment ist mein Radius klein. Trotzdem ist es ein schönes Gefühl, dies zu notieren und mal schwarz auf weiss vor sich zu haben.

Was werde ich morgen besser machen

Mehr Wasser trinken, gesünder essen, weniger aufs Handy schauen,… solches könnte hier stehen. Ich selbst habe diesen Punkt öfters mal aus Faulheit weggelassen. Doch ernst genommen, kann einem diese Frage sicher sehr helfen, an einem Thema dranzubleiben.

Tolle Dinge, die ich heute erlebt habe…

Meine Lieblingsfrage! Den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen, was hat mich glücklich gemacht? Das gute Gespräch mit einer Freundin, Kuchen backen mit den Kids, ein spezieller Kuschelmoment mit einem der Kinder, Zeit mit meinem Mann, ein gelungenes Nähprojekt, die Sonne im Gesicht, ein schönes Geschenk, ein Kaffee bei Starbucks, eine besonders gute Trainingseinheit, ein Essen mit Freunden, ein Lachen, ein Lied,… so viel Schönes gibt es jeden Tag. Doch wie oft gehe ich abends einfach müde ins Bett, vielleicht gereizt oder traurig, weil irgendetwas nicht so ging, wie ich wollte? Doch indem ich mir genau diese Frage am Schluss des Tages stelle, stelle ich die Weichen um, und meine Gedanken gehen plötzlich einen anderen Weg. Der Fokus ist auf das gerichtet, was funktioniert, was toll ist, was Freude macht, auf das Glück in den kleinen Dingen. Für mich liegt darin ein Schlüssel zu mehr Lebensqualität und die Qualität des 6-Minuten Tagebuches.

Wöchentliche Fragen und Aufgabenstellung

Wer von all der täglichen Schreiberein noch nicht genug hat, kann wöchentlich 5 Fragen beantworten. Fragen, die einem sonst keiner stellt und die man oft nicht so schnell beantworten kann. Zum Beispiel: Was war der schönste Tag in deinem Leben und warum? Oder: Wo siehst du dich in 20 Jahren?

Zudem gibt es jede Woche eine Aufgabe, die man sich vornehmen kann, wie zum Beispiel täglich 15 Minuten ohne Handy spazieren gehen oder eine Eigenschaft, die man bei anderen bewundert, im eigenen Leben bewusst zu leben. Ich fand die Aufgaben sehr spannend, doch mein persönlicher Fokus mit dem Buch war ein anderer, weshalb ich nicht alle Aufgaben ausgeführt habe.

Mein Fazit zum 6-Minuten Tagebuch

Mein Leben hat sich nicht komplett verändert, seit ich das 6-Minuten Tagebuch führe. Aber alles beginnt klein und bei genauer Betrachtung kann ich kleine Veränderungen in mir sehen. Oder besser gesagt: Fühlen. Es ist nicht plötzlich alles rosarot, ich bin noch immer nicht die Geduld in Person oder das allzeit-liebe Mami, dass ich doch eigentlich gerne wäre. Das braucht Zeit. Doch weil man sich mit dem 6-Minuten Tagebuch in Achtsamkeit übt, kann man sich auch an den kleinen Fortschritten erfreuen.

Mein Buch ist nun bald vollgeschrieben. Ich werde vermutlich kein neues kaufen, da es einiges gibt, was ich weggelassen habe. Doch ich werde statt dessen  täglich in eine extra dafür gekaufte Agenda schreiben wofür ich dankbar bin und was ich jeweils Tolles erlebt habe. Diese Glücksmomente festzuhalten empfinde ich als sehr kostbar. Aus meinem 6-Minuten Tagebuch wird also eher ein Dankbarkeitstagebuch werden.

Das Dankbarkeitstagebuch

Diese Art von Tagebuch kann man ebenfalls kaufen. Hier ist man sehr viel freier, was man genau aufschreiben möchte. Es geht aber ebenfalls darum, sich in Achtsamkeit zu üben und täglich nach Dingen Ausschau zu halten, für die man dankbar ist.

Wage es selbst

Hast du nun Lust bekommen, selbst täglich aufzuschreiben, wofür du dankbar bist oder auch, dich ganz bewusst mit dir und deinem Leben auseinander zu setzen? Vielleicht um das neue Jahr ganz bewusst zu starten? Wäre ‚Mich in Dankbarkeit üben‘ nicht mal ein etwas anderer Neujahrsvorsatz als ‚mehr Sport‘ oder ‚gesünder Leben‘?  Folgendes könntest du tun:

  • Dir das 6-Minuten Tagebuch kaufen. Gibt es übrigens auch in anderen Farben. Wer sich gerne mit etwas Theorie (keine Angst, ist leicht verständlich) zum Thema auseinandersetzen und an seiner Persönlichkeit arbeiten möchte, der ist mit diesem Buch sicher gut beraten.
  • Ein Dankbarkeitstagebuch kaufen. Hier sagt einfach der Titel schon, wofür es ist und du hast bei den meisten Tagebüchern dieser Art eine Woche mit den einzelnen Tagen auf einer Doppelseite. Eine klare Struktur aber gleichzeitig viel Freiheit.
  • Eine Agenda kaufen und einschreiben, wofür du dankbar bist oder auch, was jeweils deinen Tag wundervoll machen würde. Der Vorteil: Dadurch, dass jeder Tag mit Datum versehen ist, lässt man die gute Absicht, täglich etwas aufzuschreiben, weniger versanden. Einer der Gründe, weshalb ich mich dafür entschieden habe. So ein bisschen Druck brauche ich für solche Dinge. Der andere? Ich liebe Moleskin Agenden! 😉
  • Einfach in einem Notizbuch mit dem Schreiben starten. Sicher die günstigste Variante und toll, um herauszufinden, ob einem das liegt. Mein Tipp: Nimm ein schönes Notizbuch, damit es dir Freude macht.
  • Bullet Journal. Zur Zeit in aller Munde, die ganz persönliche und individuell gestaltete Agenda, die gleichzeitig eine Art Tagebuch ist. Falls du bereits eine führst: Hier kann man selbstverständlich ebenfalls Platz einplanen, um zu notieren, wofür man dankbar ist. Ein Bullet Journal zu führen ist ganz allgemein ein toller Weg, sich in Achtsamkeit zu üben und sich nebenbei auch kreativ zu beschäftigen. Allerdings auch etwas zeitintensiv. Viele tolle Inputs und Ideen dazu findest du im Internet oder auf Pinterest.

Ich hoffe, ich konnte dir so einen kleinen Input geben. Es gibt so vieles, wofür man dankbar sein kann. Manches kann man schnell aufzählen, maches kommt ans Licht, wenn wir danach suchen. Weihnachten ist ein guter Moment, um dieser Dankbarkeit auch nachzufühlen und ganz konkret auch den Menschen um einem herum ‚Danke‘ zu sagen. Ich danke dir, dass du hier bist und meinen Blog liest! Von Herzen wünsche ich dir frohe und besinnliche Weihnachten.

Darja

 

 

 

 

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