Vor einiger Zeit haben wir als Familie einen kleinen Ausflug mit dem Fahrrad gemacht. Wir waren im Wald grillieren. Auf dem Heimweg wollten wir einen anderen Weg fahren, er sah vielversprechend aus, ein flacher Waldweg, der jedoch abrupt endete. Wir konnten etwas höher durch die Bäume unseren ursprünglichen Weg ausmachen, doch um da hin zu kommen, mussten wir die Fahrräder über Wurzeln, durch Gebüsch und Bäume stossen. Kurz stellten wir uns die Frage: Wäre es nicht einfacher, zurück zu fahren? Doch schnell war klar: Zurück ist keine Option!

Nun, die kurze Strecke durch den Wald war dann prompt sehr schwierig. Unser Sohn brauchte immer wieder Hilfe, da er sein Fahrrad nicht über die Wurzeln brachte. Auch für mich war es ein echter Kraftakt. Doch mit vereinten Kräften haben wir es geschafft.

Auf dem Heimweg ging mir der Satz nicht mehr aus dem Kopf: Zurück ist keine Option. Jedenfalls nicht für mich. Nicht jetzt. Nicht für meine Situation. Ich sage nicht, dass es nicht Situationen gibt, in denen zurück die einzige oder die bessere Option ist. Ich spreche hier von meinem neuen Label, an dem ich zur Zeit sehr intensiv arbeite.

Die Arbeit, aktuell vor allem das Nähen von Produkten für den neuen Online Shop, nimmt mich sehr ein. Ich arbeite täglich daran, so viel ich mit den Kids herausschlagen kann. Es macht mir wie früher unglaublich Freude, Produkte entstehen zu lassen. Doch ich arbeite in meinem Kämmerchen vor mich hin, keiner sieht, was ich tue, es gibt kein Feedback. Da können schon mal Zweifel aufkommen: Tue ich wirklich das Richtige? Und tue ich es auf die richtige Art uns Weise? Lasse ich die Kundinnen zu lange warten? Wird ihnen überhaupt gefallen, was ich tue? Ist es genug neu, dass der ‚neue Anstrich‘ überhaupt gerechtfertigt ist? Weil ich viel arbeite, schleicht sich auch immer mal wieder das schlechte Gewissen ein. Arbeite ich zu viel? Bekommen meine Kinder genug von mir? Bin ich genug anwesend für sie? Ist das alles zu früh, hätte ich besser noch gewartet?

Jetzt besteht noch die Möglichkeit, die Leine zu ziehen. Noch steht der Shop nicht. Ich habe zwar versprochen, zurück zu kommen, und ich halte gerne meine Versprechen, doch niemand kann von mir verlangen, dies auch zu tun. Oder?

Dann sehe ich aber die vielen Produkte, die in diesem Jahr schon entstanden sind. Sie rufen mir zu: Wir wollen gesehen werden! Wir wollen wissen, was die Leute da draussen von uns halten! Ja, das will ich auch, und wie. Zurück ist definitiv keine Option!

Was hält einem zurück vorwärts zu gehen, sobald der Weg ungehbar scheint? Sind es die Steine, die den Weg versperren? Steine wie Selbstzweifel, die Angst vor dem Scheitern oder das mögliche Risiko? Ist es die Ungewissheit, ob dieser Weg wirklich dahin führt, wo man hinwill? Ist es die Unsicherheit, ab man den Weg auch richtig angeht, sozusagen das richtige Schuhwerk dazu hat?

Bei mir ist es sicher von allem ein bisschen. Doch aktuell ist die grosse Herausforderung die Frage, wie packe ich es an, dass aus meinen genähten Produkten ein ansprechender, übersichtlicher und technisch zeitgemässer Online Shop wird? Ich selbst bin ein Banause, was Technik angeht und kann mir das alles nicht so ganz vorstellen.

Zurück ist keine Option, also muss ich auch da durch! Aber das geniale ist, ich muss da nicht alleine durch. Ich bekomme Unterstützung! Mein Bruder ist endlich von seiner Weltreise zurück und wird mir helfen, meinen neuen Online Shop auf die Beine zu stellen. Plötzlich scheint der unwegsame Pfad gar nicht mehr so bedrohlich. Wir haben zwar noch nicht mit der Arbeit begonnen, doch ich bin voller Hoffnung, dass wir zusammen das Ziel erreichen. Male ich mir das Ziel aus, bin ich voller Freude und weiss, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Nein, zurück ist definitiv keine Option!

Es grüsst dich herzlichst

Darja

 

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